Dienstag, 20. November 2012

Verrechnet

Vorweg: Wenn ich hier in meinem Blog eine Situation beschreibe, habe ich immer die Befürchtung, dass sie als "für ugandische Verhältnisse normal" gewertet wird. Ich will also keinen Anlass für Vorurteile wie zum Beispiel "Ugander sind unzuverlässig" geben. Ich möchte nur eine Geschichte erzählen und mit diesem Vorwort verhindern, dass man beim Lesen denkt, dass Beschriebenes repräsentativ für ugandische Verhältnisse ist:

Ich kam gestern zur German Secondary School und ging in Roberts Büro. Robert ist mein Gastvater und der Schulleiter der Schule.
"Eins ist schon gedruckt! Der Rest kommt morgen!" - Ich legte ihm das erste Exemplar des Jahrbuchs hin. Er blätterte es durch und ich sah, wie beeindruckt er war. Als er sein Lob dann auch aussprach, war ich zufrieden und stolz auf das gelungene Ergebnis der Arbeit der letzten Wochen.
Dann klingelte mein Handy:
"Hallo?"
"Hallo? Sind Sie noch in Kampala?"
"Nein. Ich bin jetzt in Entebbe. Was gibt's denn?"
"Es tut mir leid. Ich hab mich verrechnet."
"Verrechnet? Was heißt das?"
"Es wird teurer als gedacht."
"Teurer? Wie viel?"
"Es würde jetzt 2,6 Millionen Schilling kosten." (1 Euro sind etwa 3000 Uganda-Schilling)
"Ich sagte doch 1,8 ist schon über dem Limit!"
"Aber dann können wir nicht drucken."
"Dann werden wir nicht drucken."
Aufgelegt. Ich setzte mich hin und steckte das fertige Jahrbuch wieder ein. Ich hatte inzwischen 3 ganze Tage in Kampala verschwendet, ich hatte den Druckauftrag an 5 verschiedene Copyshops gegeben und alle hatten mich später angerufen und doch abgesagt. So zufrieden ich vor dem Anruf über das Ergebnis war, so mutlos war ich danach.
"Und jetzt?", fragte ich Robert.
"Jetzt musst du nochmal nach Kampala.."

Also war ich heute wieder Kampala. Zuerst bin ich zu dem Copyshop von gestern gegangen, hab mir das Geld zurückgeben lassen und dann habe ich mich auf die inzwischen übliche Suche nach guten Angeboten gemacht, die immer etwa so aussieht:
Ich gehe zu einem Laden und frage:
"Drucken sie Zeitschriften?"
"Ja."
"Ok. Ich bin von der German Secondary School in Entebbe. Wir wollen unser Jahrbuch drucken lassen, es hat 64 farbige Seiten und wir wollen 150 Hefte. Das Problem ist aber, dass wir über Spenden aus Deutschland finanziert werden und uns nur 1,5 Millionen Schilling zur Verfügung stehen. Ist es irgendwie möglich so viele Bücher diesen Betrag zu drucken?"
Dann wird im Durchschnitt etwa eine Viertelstunde gerechnet und danach wird mir ein Angebot gemacht. Und normalerweise muss ich das Angebot dann ablehnen, weil es zu teuer ist.
Aber auch heute fand ich jemanden, der bereit war, für einen akzeptablen Preis zu drucken. Diesmal habe ich ihm nicht meine Handynummer gegeben, heute wird mir also niemand mehr absagen. So kann ich bis morgen Abend, wenn ich komme um die Hefte zu holen, hoffen, dass es diesmal klappt.

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