Samstag, 17. November 2012

Sportunterricht

Ich komme an der Schule an und meine Schüler, etwa 30 Erstklässler, erwarten mich schon.
Ich frage: "Are you ready?" und als Antwort schreien mir alle gleichzeitig ein aufgeregtes "Yeah!" zu.
"Then let's go!", sage ich und wir gehen zum Vorhof der Schule, den wir als Sportplatz benutzen.
"Make a circle. Let's warm up, guys." Auf der einen Seite fangen die Schüler an, einen Kreis zu bilden, bis jetzt ist es aber noch eine gerade Linie. Links und rechts von mir unterhalten sich Schüler und bewegen sich gar nicht.
"Come on, make a circle!" Die Linie verformt sich langsam zu einem Halbkreis, Viele haben mich immernoch nicht gehört.
"I'm waiting.." Nichts mehr, keine Reaktion. Etwa die Hälfte der Schüler steht bereit zum Unterricht, der Rest albert rum und scheint schon vergessen zu haben, dass sie gerade Schule ist. Ich schließe die Augen. Noch keine 2 Minuten von meiner Stunde sind um und schon wünsche ich mir, dass sie vorbei ist. Warum können sich die Schüler denn nicht benehmen? In Gedanken entschuldige ich mich bei den Lehrern, die ich hatte, denn nun weiß ich, wie viel Ärger ich ihnen bereitet habe. Aber jetzt muss es weitergehen!
Ich öffne meine Augen, meine Stimme wird laut: "Come on! Is it that difficult to make a circle?" Jetzt hören mich alle Schüler und ich bekomme den Kreis, den ich will. Trotzdem hören mir noch nicht alle zu. Nachdem ich einige Schüler einzeln ermahnt habe, kann es losgehen:
"Good morning." - "Good morning teacher Albert."
Dann stelle ich mich in die Mitte des Kreises und mache mit den Schülern Hampelmänner, Kniebeugen und Sprünge. Bei den Kniebeugen sehe ich, dass jemand nicht vernünftig mitmacht, ich sage zu ihr: "Do it properly!" - Keine Reaktion.
Als ich fertig bin, hole ich die ungehorsame Schülerin in die Mitte des Kreises und lasse sie als Strafe alleine Kniebeugen machen. Sie wird ausgelacht und als ich die Übung später wiederhole, machen alle vernünftig mit, was mich mit Zufriedenheit erfüllt.
Als wir mit dem Aufwärmen fertig sind, lasse ich die Schüler seilspringen. Alle machen mit und alle scheinen Spaß zu haben. Ich sehe Schüler, die so gut sind wie ich, und ich sehe Schüler, die kaum 2 Mal ohne Fehler springen können, aber alle geben sich Mühe und das ist das, worauf es für mich ankommt.
Plötzlich sehe ich einen Schüler, der sich versteckt und nicht mitmacht. Auf meine Frage, was los sei, antwortet er, dass er nicht seilspringen könne. Immer wieder versuche ich ihn zu animieren, aber er weigert sich immer weiter. Erst als ich die Idee habe, dass ich ihm einfach immer sage, wann er springen muss, probiert er es. Die ersten Male geht es noch schief, aber dann schafft er es auch, ein, zwei Mal zu springen, worüber er sehr glücklich war.
Zum Schluss mache ich noch einen Hochsprung-Wettbewerb: Alle müssen über ein Seil, dass ich immer höher halte, springen. Die, die es nicht schaffen, scheiden aus, alle anderen springen nochmal – bis nur noch einer übrig ist. Nicht nur die Schüler haben bei diesem Spiel Spaß und als am Ende der Stunde der Gewinner von seiner ganzen Klasse angefeuert wird, ärgere ich mich sogar, dass ich den Unterricht jetzt beenden muss. Auch die Schüler wollen eigentlich noch weitermachen, aber nachdem ich ihnen erkläre, dass das nicht geht, kommen alle zu mir, schlagen ein und gehen zurück zum Klassenraum.
Ich aber habe gleich im Anschluss Sport mit der zweiten Klasse und weiß schon vorher, dass der Kampf und die Quälerei am Anfang mit Spaß und Zufriedenheit am Ende belohnt wird.

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