Sonntag, 11. November 2012

"Eine Geschichte über mein Leben.."

Ich will mit dieser Geschichte nicht sagen, dass man in Uganda keine Freunde finden kann - im Gegenteil, durch Ihre offene Art ist es sogar ganz einfach. Aber manchmal kann das eben auch schief gehen:
Ich habe bei einer Einrichtung, in der ich manchmal arbeite, jemanden kennengelernt, der ungefähr in meinem Alter ist – sein Name ist Andrew. Wir haben uns ein wenig unterhalten und er war mir auch nicht unsympathisch. Nach einiger Zeit sagte er mir, dass er "eine Geschichte über sein Leben" – die Lebensgeschichten der Ugander sind oft sehr interessant - geschrieben hat und er bat mich, sie mal zu korrigieren, weil er nicht so gut in Rechtschreibung sei. Also verabredeten wir uns für den Abend.
Ich kam zu ihm und das Erste, was ich sah, war seine Mutter, die völlig außer sich war, weil ein Weißer zu ihr nach Hause kam. Sie kam an und fasste mir die ganze Zeit ins Gesicht, um meine wunderbare weiße Haut berühren zu können. Dabei redete sie ununterbrochen abwechselnd in Luganda und Swahili zu mir und ich verstand natürlich kein Wort. Als ich dann ins Haus kam und wir uns hinsetzten, fing die ganze Familie an Wodka zu trinken, wahrscheinlich hatten sie schon vorher getrunken, denn alle waren sehr schnell betrunken. Dazu redeten alle gleichzeitig mit mir, sodass ich einfach nichts verstehen konnte. Die Mutter ging immer raus und kam mit irgendwelchen Geschenken für mich wieder. Ich wurde also behandelt, wie ein Gott, dessen Gunst man sich erkämpfen oder zumindest erkaufen muss, und dessen Gesellschaft eine unglaubliche Ehre ist. Und das war natürlich sehr unangenehm und enttäuschend für mich. Man freute sich nicht, dass ICH da bin, sondern, dass ein Weißer da ist. Mit zunehmender Betrunkenheit meiner Gastgeber wurde ich auch immer häufiger "Jakob" genannt, denn Jakob ist der andere Weiße, der an der Einrichtung arbeitet, bei der ich Andrew kennengelernt hab.
Als ich ihn dann irgendwann fragte, was jetzt eigentlich mit der Geschichte sei, weigerte er sich, sie
mir zu zeigen; es sei ihm zu peinlich, wie viele Fehler er gemacht hat. Die Antwort auf meine Frage, wie viel er denn geschrieben hat, war: "Eine halbe Seite." Spätestens da wurde mir klar, dass es von Anfang an nur darum ging, irgendwie den Weißen zu sich nach Hause zu bekommen.
Als ich ging, sagte man mir, dass ich so schnell wie möglich wiederkommen soll – ich aber hoffe, keinen aus dieser Familie je wieder zu sehen.

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